Wie ist das, wenn man Bücher schreibt, aber keine Vollzeitautorin ist? Die Frage kannst du 100 Autorinnen stellen und wirst 100 verschiedene Antworten erhalten. Eine Sache ist aber bei allen gleich: Ohne Planung geht am Ende (fast) gar nichts.
Das klingt erst einmal ziemlich langweilig und hat so nichts mit dem romantischen Bild zu tun, das viele vom Autorinnenalltag haben. Ich nehme dich mit auf einen kleinen Ausflug hinter die Kulissen. Wir schauen in meinen Schreiballtag und ich verrate dir mehr über meinen Schreibprozess und wo die Magie entsteht.
Mein (un)typischer Autorinnenalltag
Okay – zugegeben, mein Alltag als Autorin ist gar nicht soooo untypisch. Ich habe einen normalen Beruf und kann mich erst nach Feierabend an meine Geschichten setzen. Damit geht es mir wie vielen tausend anderen Autorinnen in Deutschland auch.
Untypisch ist aber auf jeden Fall, wie ich mir meine Schreibzeit gestalte. Viele Schreibende sitzen zuhause in ihrem stillen Kämmerlein, brüten über ihren Ideen und tauchen in ihr Schreiben ein. Grundlegend mache ich das auch – aber nicht allein. Ich nutze die Autorengemeinschaft, die ich während meiner Ausbildung zum Romanautor kennengelernt habe. Wir treffen uns online, dabei haben wir die Kamera laufen, Ton aus und schreiben gemeinsam. Manchmal nur eine halbe Stunde, manchmal zwei Stunden oder auch länger. Wer Lust hat, wählt sich einfach mit ein.
Hört sich schräg an? Das dachte ich am Anfang auch. Aber es ist unglaublich motivierend! Und wenn man mal eine Frage hat und bei einer Szene nicht weiter kommt (manchmal machen die Figuren einfach was sie wollen), ist immer jemand da, mit dem man sich im Chat austauschen kann.
Kurze Schreibphasen oder lieber lange Sessions?
„Nur“ eine halbe Stunde schreiben oder drei Stunden in die Schreibwelt abtauchen – ich liiiiebe beides. Aber bevor das geht, brauche ich eine kleine Aufwärm- bzw. Loslösephase.
Ein Spaziergang, den Spüler ausräumen oder einen Moment Löcher in die Luft starren reichen vollkommen aus, um den Kopf von dem frei zu bekommen, was ich vorher gemacht habe.

Ich hoffe du hast nichts spektakuläres erwartet. Es sind oft die kleinen Dinge, die einem helfen, den Kopf gedanklich von einer Sache zu lösen und sich neu zu fokussieren.
Und dann kann es auch schon losgehen.
Was gehört bei mir alles zum „Schreibprozess“?
Zu meinem Schreibprozess gehört alles, was mit meinem Buchprojekt zu tun hat. Ich mache keinen Unterschied zwischen Buchideen festhalten, Recherche, Planen oder den eigentlichen Text schreiben. Auch die gedankliche Beschäftigung mit meinem Roman beim Autofahren, Einkaufen oder Zähneputzen gehört für mich dazu.
Ich habe sogar schon mal während des Staubsaugens eine Diskussion mit meiner Hauptfigur geführt, weil sie sich wahnsinnig zickig verhalten hat. (Spoiler: Ich habe gewonnen… aber es war hart!)
Es gehört also alles zu meinem Schreibprozess, was während der Entstehung an kreativen oder planerischen Prozessen passiert.
Sich dem Schreibflow hingeben oder ein Wortziel verfolgen?
Beides hat auf seine ganz eigene Art seine Berechtigung. Ein Wortziel ist auf jeden Fall dann hilfreich, wenn man regelmäßig mit festen Abgabeterminen (und harten Deadlines) arbeitet. Manche Autorinnen nutzen die erreichten Tagesziele auch als persönliche Motivation.
So lange ich noch nicht mit dem eigentlichen Text begonnen habe, sondern noch in der Planung stecke, nehme ich mir für jeden Tag kleine Dinge vor. Das kann zum Beispiel eine halbe Stunde Recherche zu einem Thema sein oder die Planung einer Szene. Wenn es später an den eigentlichen Text geht und ich in der Schreibphase des Manuskriptes stecke, gebe ich mich dann dem Schreibflow hin.
Ich habe das große Glück, dass mein innerer Kritiker sich während der Schreibphase auf eine einsame Insel verkrümelt und mich einfach machen lässt. Die Worte fließen aus mir raus und es geht voran.
Auf diese Weise ist die Rohfassung meines Buches meist schon in wenigen Wochen fertig geschrieben. Ich setze ich mir keine festen Wortziele. Dennoch hilft es mir bei meiner Jahresplanung im Blick zu halten, wie lange ich für den ersten Entwurf eines Romans einrechnen muss.

Kreative Pausen … und warum sie mir schwerfallen
Wenn mir Autorinnen Kolleginnen erzählen, wie sie stundenlang an ihrem Roman schreiben können, freue ich mich riesig für sie. Sich dem Flow hingeben, zu fühlen wie das Buch wächst und die Figuren lebendig werden zu sehen ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es macht auch ein wenig süchtig.
Deshalb erinnere ich meine Kolleginnen auch daran, wie wichtig kreativen Pausen zwischendrin sind. … obwohl ich selbst darin nicht so gut bin. Das Gefühl in die Geschichte einzutauchen, die Bilder vor einem zu sehen ist für mich als Autorin ähnlich, wie als Leserin. Es packt mich und es ist einfach nicht möglich das Buch wegzulegen.
Ich weiß ja – man soll nicht Wasser predigen und Wein trinken. Worauf ich aber dennoch achte: Ich schreibe mich niemals „leer“. Sich an einem Tag völlig zu verausgaben und „alles zu geben“ hört sich im ersten Moment vielleicht beeindruckend an. Die Gefahr danach in ein kreatives Loch zu fallen ist leider recht hoch. Und am Ende habe ich nichts davon.

An dieser Stelle geht übrigens ein großer Dank an meine beiden Hunde – sie drängen mich immer genau dann zu kleinen kreativen Pausen zwischendrin, wenn ich es brauche. Als hätten sie ein Gespür dafür, wann es Zeit für eine Kuscheleinheit oder einen Streifzug durch den Garten ist.
Wie ich schreibe … und was für heimliche Marotten ich habe
Manchmal bin ich etwas neidisch auf andere Autorinnen. Einige haben mir erzählt, dass sie einfach an den Szenen schreiben, auf die sie grade Lust haben. Das kann z.B. eine Szene aus der Mitte des Romans sein, obwohl sie grade erst mit dem Buch begonnen haben. Ich finde, das hört sich mega spannend an.
Das ist aber ein Punkt, an dem mein Kopf „Halt, Stopp!“ sagt. Sobald ich ein Projekt begonnen habe, läuft bei mir alles chronologisch ab. Dabei ist es egal, ob ich grade die grobe Handlung plane oder im Schreibprozess stecke.
Eine weitere kleine Marotte ist, dass ich nur schreiben kann, wenn es ruhig um mich herum ist. Ich trage sogar zu Hause Ohrstöpsel, selbst wenn niemand außer mir da ist. Schreiben im Café, dabei Leute beobachten oder einfach im Park sitzen und mich der kreativen Frühlingsenergie hingebe? Für mich ein Graus. (Oh je – wenn ich das so schreibe, komme ich mir schräg vor!).
Schreibtisch-Chaotin oder Ordnungsfanatikerin?
Wahrscheinlich hast du im Laufe des Artikels schon einen kleinen Verdacht bekommen, zu welcher Kategorie ich gehöre.
Ich gebe es zu – ich liebe Ordnung und chaotische Schreibtische sind mir ein Graus. Es kribbelt in meinen Fingerspitzen, wenn sich die Papierberge ins unendliche türmen (das heißt nicht, dass ich nie welche habe) und man die Tastatur kaum noch finden kann. Als Ordnungsfanatikerin würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. „Gerne organisiert“ klingt viel freundlicher. 😉
Das bringt mich auch zu meinem oldschool Papierkalender. Er hilft mir, die Ordnung auch außerhalb meines Schreibtisches im Blick zu behalten.

Dort notiere ich mir Treffen mit meinen Schreibgruppen, halte meine Jahresplanung für meine Romane fest und bis wann ich mit einem Roman fertig sein möchte.
Ich habe es mit einer der vielen tollen Kalender-Apps versucht… aber wir können uns irgendwie nicht anfreunden. Wenn der Kalender offen vor mir liegt, ist es für mich leichter meine Planung im Blick zu behalten. Vor allem, wenn es auf den Veröffentlichungstermin des Buches zugeht. Der Kalender ist quasi das Einzige bei mir, das nicht digital ist.
Mein Arbeitszimmer bezeichne ich gern als meine kleine Schreibhöhle. Es ist hell und die Farben erdig und ruhig – aber eben klein. Um mich herum stehen Bücher, ich kann von meinem Schreibtisch direkt auf mein Moodboard schauen und im Raum verteilt stehen überall kleine Lampen. Ein Raum, in dem ich gerne schreibe und in dem schon drei Bücher entstanden sind. Rundum gemütlich.
Wie ich Plotbunnys zähme und meine Romane plane

Wenn mich eine neue Buchidee überfällt – und glaub mir, das tun sie meist ganz gemein aus dem Hinterhalt oder in Momenten, in denen ich mich wirklich auf etwas anderes konzentrieren will – schreibe ich sie sofort auf.
Solche plötzlich auftretende Ideen, die mit einem Buch zusammenhängen, nennt man auch Plotbunnys. Sie haben eine Tendenz dazu keine Ruhe zu geben, wenn man sich nicht um sie kümmert. Und dann hoppeln und wuseln sie einem ständig durch die Gedanken und vermehren sich unkontrolliert.
Auslöser für eine neue Romanidee kann aber auch alles andere in meinem Alltag sein. Zum Beispiel eine dreckige Scheibe in der Straßenbahn ist. Die zufällig angeordneten Spritzer auf dem Glas haben mir schon mal als Vorlage für die Landkarte eines ganzen Kontinents gedient.
Alles was mir zu einer Idee einfällt notiere ich in einem Arbeitsexposé. Darin notiere ich erste Entwürfe zu den Romanfiguren, wie ich mir grob die Handlung vorstelle, wie es in der neuen Welt aussieht, wo es spielt und ob es zum Beispiel ein Einzelband oder ein Mehrteiler werden soll.
Und danach geht es auch schon in die Schreibphase. Das ist meist eine sehr intensive Zeit. In meinem Kopf ist dann nicht viel Platz für anderes, außer meinem Roman. Familie und Freunde müssen sich einen kleinen Konkurrenzkampf mit meinen Figuren um meine Aufmerksamkeit liefern.
Ein typischer Schreibtag und was unbedingt immer dabei ist
Ein normaler Schreibtag beginnt für mich am Nachmittag. Das ist ganz unabhängig von der Phase, in der mein Buch sich befindet.
Bevor ich zum Beispiel in der Schreibphase in die Geschichte eintauche, schaue ich mir kurz an, was ich am Vortag geschrieben habe. Wenn ich mitten in einer Szene aufgehört habe, hilft es mir, die letzten Sätze anzuschauen und mich in die Situation einzufühlen.
Steht das Schreiben einer ganz neuen Szene auf dem Plan, lese ich mir einmal durch, was ich dafür geplant habe. Manchmal ergeben sich während des Schreibens auch noch ein paar Änderungen, die es vielleicht einzuarbeiten gilt. Und dann geht es auch schon los.
So wächst an jedem Tag der Woche, aus vielen kleinen Einzelstücken in der Schreibphase ein ganzes Manuskript.
Meine ständigen Begleiter sind dabei Papyurs Autor (mein Schreibprogramm für Autoren), meine geliebten Ohrstöpsel für Ruhe beim Schreiben und meine liebsten Bürokollegen – meine Hunde.
Fazit
„Autorin sein“ beginnt für mich nicht erst, wenn ich mich an den Schreibtisch setze und einen Satz formuliere. Es ist etwas, dass sich durch meinen Alltag, mein Leben zieht.
Zwischen Planung, Schreiben, Denken und Pausen entsteht nach und nach eine lebendige Geschichte.
Dieser kleine Blick hinter die Kulissen soll zeigen, wo meine Geschichten wachsen – irgendwo zwischen meinem Schreibtisch und seiner Ordnung, meinem gesamten Alltag und einer Prise Ideenchaos (und Plotbunny-Überfällen.)
Was möchtest du noch über das Autorinnenleben wissen? Schreib es mir gern in die Kommentare.

Tia Urban schreibt Urban-Romantasy mit weiblichen Heldinnen, die zwischen Freundschaft, Liebe und Identität ihren Platz suchen. Ihre Geschichten richten sich an queere New-Adult- und All-Age-Leserinnen, für die Zugehörigkeit kein Selbstverständnis ist.