No Shelf-Control: Warum ich nicht aufhören kann, Bücher zu kaufen

„So, das sollte eine Weile reichen.“
Etwas ähnliches sagt meine Frau in regelmäßigen Abständen, wenn sie mir ein neues Bücherregal an die Wand schraubt.

Mein Stapel ungelesener Bücher wächst und wächst indessen immer weiter. Ich befürchte, dass er bald größer ist als ich. Aber wie soll ich es auch schaffen an einem wunderschönen Buchcover vorbei zu gehen, dem Duft frisch gedruckter Seiten zu widerstehen? Wie schaffen es andere, der Stimme einer Hörbuchsprecherin zu widerstehen und sich nicht komplett in andere Welt entführen zu lassen?
Unmöglich, sage ich.

Denkst du das auch? Liebst du Bücher in jeglicher Form, auch so sehr, dass du sie ständig um dich haben willst?

Ja?

Wir zwei beiden haben eine Menge gemeinsam …

Wie mir die Shelf-Control immer mehr entgleitet, welche Lesegewohnheiten ich als Autorin habe und welche queeren Bücher mich in der letzten Zeit berührt haben, verrate ich dir in diesem Artikel.

Wie alles begann: Meine Beziehung zu Büchern

So lange ich zurückdenken kann, sind Bücher etwas Heiliges für mich. Seiten blättere ich vorsichtig um. Das Buch darf nur einen winzigen Spalt geöffnet werden, damit der Rücken nicht bricht. Nie im Leben würde ich auf die Idee kommen in ein Buch zu schreiben. Sogar bei Arbeits- und Lernbüchern bereitet es mir beinahe körperliche Schmerzen, wenn ich darin etwas notieren oder ausfüllen soll.
Ich bin nicht nachtragend … aber das meine Schwester in den 80er eines meiner Kinderbücher gegessen hat, kann ich bis heute nicht verzeihen. 😉

Bücher waren schon in meiner Kindheit das beste Geschenk zu jedem Geburtstag. (Daran hat sich bis heute nichts geändert … just saying 😉 ) Stundenlang konnte ich mich in der Schulbibliothek verkriechen und mich in den magischen Geschichten verlieren.
Wir hatten damals in meiner Heimatstadt eine tolle Buchhandlung. Die Dame dort hat meiner Mutter immer genau die richtigen Bücher für mich empfohlen. In der Schule waren die Lehrer begeistert, was für ein Bücherwurm ich war. Es hat sie allerdings nicht so sehr begeistert, dass mich Fantasy-Bücher schon immer mehr gepackt haben als die Werke von Goethe oder Schiller.

No Shelf-Control: Die Symptome

Das ich ein Problem mit Shelf-Control haben könnte, ist mir bewusst geworden, als ich in mein erstes WG-Zimmer gezogen bin. Es gab mehr Bücherkartons als alles andere. (Pro-Tipp: Bücherkartons nie bis zum Rand vollpacken…).
Ich stand kurz vor der Entscheidung: Kleiderschrank oder Bücherregale. Mein Vater konnte das nicht mit ansehen und hat mir rundum in meinem Zimmer Regal kurz unter der Decke an die Wand geschraubt. Gott sei Dank – Bücher kann man so schlecht anziehen 😉 Die Stapel auf dem Boden habe ich zum Nachttisch umfunktioniert und als Ablagefläche benutzt.

Heute, Jahre später, gibt es in jedem Raum in unseres Hauses Bücherregale – alle voll. Erst vor ein paar Monaten haben wir ein neues Regalbrett von 4 Metern an die Wand geschraubt … auf dem es bereits jetzt nur noch wenige Plätze gibt. (Und dabei ist bald die nächste Buchmesse in Leipzig!)

Das hat hier zu Hause einige Fragen aufgeworfen:

  • Wie können wir die Bücherflut eindämmen?
  • Ist es an der Zeit eine Bücher-Diät zu machen?
  • Soll ich mich selbst zu einer Bücher-Challenge herausfordern und endlich eisern meinen SUB (Stapel ungelesener Bücher) abarbeiten?

(Na, erkennst du dich wieder?)

Welche Medien – Print oder E-Book?

Um die Regale langfristig zu entlasten, war eine Idee, mehr eBooks als Printbücher zu kaufen. Wenn man sich mit anderen Lesenden darüber unterhält, scheiden sich an dieser Idee allerdings oft die Geister. Ich habe schon Gespräche darüber geführt, die einer philosophischen Grundsatzdiskussion ziemlich nahe kamen.

Ich muss zugeben, ich liebe den Geruch druckfrischer Bücher. Gibt es einen schöneren Klang als das Rascheln der Seiten? Bei jedem neuen Buch fahre ich über die Seiten und genieße das Gefühl des Papiers unter meinen Fingern … aber ich sehe auch den Nachteil und die Auswirkungen auf den Klimawandel.

Um die Umwelt zu schonen habe ich eine Zeitlang nach „E-Books kaufe ich für unterwegs, gedruckte Bücher nur, wenn mir das E-Book richtig gut gefallen hat“ zu leben. Spätestens nach der Buchmesse 2022 in Frankfurt musste ich mir eingestehen, dass dieses System für mich nicht so richtig gut funktioniert. Mein Koffer ließ sich nicht mehr rollen, so schwer wie er war.
Eine leise Stimme im Hinterkopf flüstert mir sanft immer ein schlechtes Gewissen ein, wenn ich Print kaufe. Aber dann sage ich mir, dass ich Bücher nicht als Wegwerf-Artikel betrachte. Sie begleiten mich, werden gut behandelt, ausgeliehen (nicht an Buch-Esser!) und oft mehr als einmal gelesen.

Selbst Lesen oder lieber Zuhören?

Ich antworte mit einem entschiedenen: Beides!
Meist lese/höre ich zwei oder drei Bücher gleichzeitig auf allen Medien. Mein Favorit im letzten Jahr war ganz klar – Trommelwirbel – das Hörbuch.

Während ich die Rheinrabe-Dilogie geschrieben habe war es für mich ein schöner Ausgleich mit einem Buch auf dem Sofa zu liegen oder meinen englischsprachigen Lieblings-Hörbuchsprecherinnen Quinn Riley und Kristen DiMercurio zuzuhören.

Queere Bücher finden – ohne Apps und Google?

Die meisten meiner queeren Bücher sind E-Books oder Hörbücher. Aber einfach in die App meines Vertrauens gehen und mir mein nächstes queeres Buch am Bildschirm aussuchen? Das war nicht immer so einfach.
Als Teenager, nicht geoutet, in Zeiten ohne Internet und Handy – no Chance.

Heute ist es zum Glück anders. Dank Suchmaschinen und Rezensionen wie z.B. bei LoveleyBooks weiß ich meist schnell, in welchem Buch meine Lieblings-Tropes vorkommen und queere Charaktere die Hauptrolle spielen. Genau das hätte ich als Teenager gebraucht und mein Leserinnen-Herz feiert, wie einfach es heute ist.

Meine queeren Buchempfehlungen

Drei Reihen haben mir im letzten Jahr besonders gut gefallen.

Grace Notes – Reihe von Ruby Landers


Die Reihe startet mit einem Buch über Savannah Grace (meine erste Buch-Crush!), Ein Cast so vielfältig wie das echte Leben. Dazu schreibt die Main Character (MC) Songtexte, die direkt ins Herz gehen. Ich konnte quasi hören, wie sie auf der Bühne steht und singt. Gänsehaut pur.

Ganz nebenbei noch ein Fest der Tropes. Von Secret Crush über Fake Dating und Age Gap, zu Nonbinary MC und Enemies to Lovers ist quasi alles in dieser Trilogie dabei. Und das ganz ohne in Klischees abzudriften.


Die Bücher sind bisher nicht übersetzt worden und nur im Englischen erhältlich. Es gibt auch ein Prequel zu dieser Reihe mit dem Titel „Two Tickets“.

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Bright Falls – Reihe von Ashley Herring Blake

Diese Reihe startet mit „Delilah Green doesn’t Care“ und ist ebenfalls eine Trilogie. Alle Geschichten spielen in der Kleinstadt Bright Falls. Eine witzige und spicy Romance.
Im deutschen ist die Reihe bei Moon Notes bei der Oettinger Verlagsgruppe erschienen.

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Wer, wenn nicht – Dilogie von Alicia Zett

Eine sehr gefühlvolle Geschichte, die ich meinem jüngeren Ich in die Hand drücken würde. Die Fotografin Lena erlebt erlebt die Verwirrung erster queerer Gefühle mit Mitte zwanzig und muss sich als bisexuelle Frau neu finden. Vor allem, weil diese Gefühle ihrer besten Freundin gelten.

Wunderschön anzuhören. Die Stimmen der Sprechenden passen toll zusammen.

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Warum ich lieber Bücher auf dem Boden staple als mit dem Kaufen aufzuhören

Ohne all die Bücher, unteren deren Gewicht sich die Regale biegen, würde es meine eigenen Geschichten nicht geben. Auch die Rheinrabe-Dilogie nicht.

Lesen ist für mich nicht nur ein Freizeitvergnügen. Es ist so wichtig wie Luft zum Atmen. Jedes Buch prägt. Sie alle haben mich durch glückliche Moment genauso wie durch schwierige begleitet. Und sie sind zum Teil meines Schreibprozesses geworden.

Dabei geht es nicht darum, bei anderen Autorinnen zu luschern. Ihre Bücher sind mehr als nur kreative Anreize. Sie inspirieren mich, beflügeln meine Phantasie, lassen mich träumen. Einfach ein Buch aus dem Regal nehmen zu können, sich unter einer Decke in der Leseecke einzukuscheln, gehört für mich zum „Home Sweet Home“ Gefühl dazu.

Fazit

Ich habe „No shelf-control“ als Teil meiner Identität angenommen. Und ich glaube meine Frau auch. Manchmal meine ich ein leises Seufzen zu hören, wenn sie ein weiteres Regal an die Wand schraubt – aber ich kann mich auch täuschen.

Vom 18.-22.03.2026 findet in Leipzig wieder die Buchmesse statt. Die Frage ist ja jetzt, schrauben wir (also meine Frau) vorausschauend schon ein weiteres Regal an die Wand oder erst danach? 😉

In welchem Medium liest du am liebsten? Wie sieht es mit deiner Shelf-control aus? Schreib es mir gern in die Kommentare.

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