Kennst du das auch? Du freust dich mega auf die Buchmesse. Gleichzeitig merkst du schon, wie dir der Gedanke an die vielen, vielen Menschen Stück für Stück deine Energie raubt.
Lautes Stimmengewirr, Gedränge, Small-Talk – schon fragst du dich, warum du nochmal das Ticket gekauft hast. So geht es meiner Autoren Kollegin und Freundin Jana Tews und mir auch. Als introvertierte Person ist so ein Event wie die Leipziger Buchmesse eine Herausforderung.
Warum wir trotzdem 3 ganze Tage zur Messe fahren und mit welchen Tipps und Tricks für Introvertierte wir uns auf die Leipziger Buchmesse 2026 vorbereiten, erfährst du in diesem Artikel.
Warum Buchmessen für Introvertierte eine Herausforderung sein können
„Du bist introvertiert? So wirkst du gar nicht.”
„Aber du bist ja gar nicht schüchtern.”
Das sind Sätze, die ich öfter höre. Schüchtern, introvertiert und extrovertiert werden leider oft in einem verwirrenden Kontext benutzt. Und durcheinandergewürfelt.
Wusstest du, dass “Introvertiert” und “Extrovertiert” gar keine Gegensätze beschreiben, sondern unterschiedliche Ausprägungen der gleichen Sache sind? Klingt verrückt oder? Im Grunde sagen die Worte etwas darüber aus, wie sich jemand in Situationen mit anderen Menschen verhält bzw. fühlt.
Eine extrovertierte Person ist gern im Austausch mit anderen. Ein Tag voller Meetings und am Abend noch ein Konzert in einer Menschenmenge sind kein Problem. Ihre Batterien laden sogar eher auf, wenn sie mit anderen in Kontakt sind.
Als Introvertierte können wir auch leicht mit anderen in Kontakt kommen, das unterscheidet uns von schüchternen Menschen. Wir fühlen uns dabei aber weniger wohl als Extrovertierte. Ständiger Kontakt und Austausch mit anderen saugen unsere Batterien aus.
Häufige Stressauslöser
Diese Faktoren führen oft schon im Vorfeld zu Stress bei introvertierten Personen:
- Menschenmengen, Lärm, ständige soziale Interaktion
- Der (selbstgemachte) Druck, „sichtbar“ sein zu müssen (Social Media, Networking)
- Das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn man nicht „durchpowert“
Bei manchen ruft der Gedanken an große Veranstaltungen allein so viel Stress hervor, dass sie diese Events von vornherein meiden. Auch, wenn sie das Thema eigentlich interessiert.
Tipp: Wenn du näher wissen willst, was hinter den Begrifflichkeiten steckt und was Extraversion genau ist, findest du weiter unten einen Link.
Endgegner Groß-Event
Jana und ich haben Glück. Termine und Events mit anderen sind zwar anstrengend, aber sie lähmen uns nicht völlig. Wir haben gelernt mit den Stressfaktoren umzugehen und auf unseren Körper zu hören.
Die Buchmesse bleibt weiterhin ein Endgegner. Mit 296.000 Besuchern in 2025 (Quelle) eine totale Herausforderung. Und das aus gleich drei Gründen:
Wie machst du den Messebesuch zu einem entspannten Erlebnis?
Wenn du zum Eröffnungstag der Messe die Hallen betrittst, kann das überwältigend sein. Lass dich davon (oder von den einströmenden Menschenmassen) nicht gleich am Anfang abschrecken.
Tipp: Nimm dir einen Augenblick Zeit und lade dir schon vor der Messe den Lageplan der Hallen herunter. So hast du eine erste Idee, wo du was findest. Das nimmt dir ein wenig den Stress, wenn du das erste Mal zur Messe gehst.
Unsere 7 besten Tipps für einen relaxten Messetag
In den letzten Jahren waren wir neben der Leipziger auch auf der Frankfurter Buchmesse. Je größer die Veranstaltung ist, desto wichtiger ist eine gute Vorbereitung. Das sind Janas und meine besten Tipps, damit du den Besuch genießen kannst:
Janas Top Tipps:

Setze klare Prioritäten
Die Leipziger Buchmesse ist riesig und du musst nicht alles sehen. Überlege dir deshalb vorher, was dir wirklich wichtig ist.
Am besten schaust du dir vorab das Messeprogramm in der App oder auf der Website an und suchst dir die Programmpunkte heraus, die dich am meisten interessieren. Vielleicht gibt es ein paar Autor:innen, eine Lesung oder einen Verlag, den du unbedingt besuchen möchtest.

Gib dir die Erlaubnis Vorträge auszulassen
Vielleicht hast du dir (wie in Tipp 1 beschrieben) vor der Messe eine Liste mit Lesungen, Vorträgen oder Ständen gemacht, die du unbedingt sehen willst. Das ist hilfreich, aber kein bindender Vertrag mit dir selbst.
Wenn du merkst, dass deine Energie nachlässt, ist es völlig in Ordnung, etwas von dieser Liste zu streichen. Du musst nicht jeden Programmpunkt abhaken.
Manchmal ist es die bessere Entscheidung, eine Pause zu machen, früher zu gehen oder dir einfach einen Moment Ruhe zu suchen. Die Messe soll ein schönes Erlebnis sein und kein Marathon, den du bis zum Ende durchhalten musst.

Sorge gut für deinen Körper
Ein Messetag ist anstrengend. Ein paar kleine Dinge können deshalb einen großen Unterschied machen.
Zieh dich am besten im Zwiebellook an. In den Hallen wird es schnell warm, während es draußen kühl sein kann. Bequeme, flache Schuhe sind ebenfalls Gold wert – vertrau mir! Auch praktisch: ein Rucksack statt einer Tasche. Wenn Bücher, Wasserflasche und Kleinigkeiten zusammenkommen, wird eine Schultertasche schnell unangenehm schwer.
Und vergiss die Basics nicht. Trink genug und nimm dir am besten etwas zu essen mit, früher oder später meldet sich der Hunger. Wenig Zucker hilft außerdem, Energieeinbrüche im Laufe des Tages zu vermeiden.

Meide Stoßzeiten
Gerade am Wochenende wird es auf der Leipziger Buchmesse sehr voll. Wenn du es einrichten kannst, plane deinen Besuch lieber für Donnerstag oder Freitag.
Unter der Woche ist es oft deutlich entspannter und du hast mehr Raum, dich in deinem eigenen Tempo zu bewegen. Das Wochenende komplett zu meiden, kann für introvertierte Menschen einen großen Unterschied machen.
Auch während des Messetages lohnt es sich, Stoßzeiten im Blick zu behalten. Besonders rund um die Mittagszeit oder direkt nach beliebten Veranstaltungen wird es schnell voller. Wenn du diese Zeiten etwas umgehst, fühlt sich der Tag oft deutlich entspannter an.
Tias Top Tipps

Suche dir kleine Energie-Oasen zum Auftanken
Auch bei mehreren tausend Menschen auf einem Fleck kannst du ruhige Ecken für Mikro-Pausen finden. Oft kannst du sogar einen kleinen Spaziergang auf dem Messegelände machen. Ein paar Mal tief durchatmen wirkt Wunder.
Für mich haben Ohrstöpsel/Noise-Cancelling Kopfhörer einen ähnlich erholsamen Effekt wie ein paar Minuten allein an einem ruhigen Ort zu sein.

Social Media-Druck ablegen (spez. für Autorinnen)
Als Autorin möchtest du deiner Community zeigen, was du grade auf der Messe machst, welche Buchschätze du entdeckt und welche lieben Kolleginnen du getroffen hast.
Eine super schöne Möglichkeit, in Kontakt mit deinen Leserinnen zu gehen und ihnen zu zeigen, was deine Arbeit noch mit sich bringt. Aber es ist auch okay, nicht alles sofort zu posten. Speichere dir die Bilder ab und poste es später in Ruhe aus dem Hotel. Dein Zukunfts-Ich wird es dir danken.

Der Nach-Messe-Tag: Warum er genauso wichtig ist wie die Messe selbst
Am Sonntag nach der Messe nach Hause kommen und dann am nächsten Tag gleich in den Alltag starten? Lass mal nicht machen!
Klar, manchmal geht es nicht anders, wenn der Brotjob ruft oder die Familie auch Zeit mit dir verbringen möchte. Grade für introvertierte Personen ist es dennoch wichtig, sich Raum für die Erholung nach einem Mega-Event wie einer der großen Buchmessen zu schaffen.
Gib dir Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten, den Energiespeicher wieder aufzufüllen. Du und deine Lieben habt nichts davon, wenn du nach einer Veranstaltung am Rande der Erschöpfung kratzt.
Die prägendsten Buchmesse Momente
Jana und ich schreiben seit fast zehn Jahren zusammen in einer Gruppe. Bei der Planung unseres gemeinsamen Roadtrips zur LBM 2026 haben wir viel darüber gesprochen, wie sich unsere Messe-Erlebnisse im Laufe der Zeit verändert haben.
Hier ein kleiner Auszug aus unserem Gespräch.
Jana: Ich weiß noch, als du mir von deiner ersten Buchmesse in Frankfurt erzählt hast.
Tia: Oh je. Das war wirklich ein Energie-Killer für mich.
Jana: Ja und ganz schön negativ beeindruckend. Es ist rückblickend total verrückt, dass ich nach deiner Erfahrung selbst den Schritt gewagt habe und zu einer Messe gefahren bin (lacht).
Tia: Sorry. Ein wenig hatte ich auch ein schlechtes Gewissen. Ich wollte es dir ja nicht madig machen. Aber ich hab locker zwei Wochen gebraucht, um wieder zu 100% zu funktionieren.
Jana: Versteh ich total. Irgendwie war ich aber auch froh, dass du es mir ungeschönt erzählt hast. So konnte ich mir Gedanken dazu machen, wie ich damit umgehen will. Und wir haben ja auch schöne Tipps und Tricks daraus gemacht, wie wir uns besser vorbereiten können.
Was würdest du sagen, war rückblickend dein größter Aha!-Moment auf einer Messe?
Tia: Mhm. Meinst du als Autorin oder als Leserin?
Jana: Beides.
Tia: Als Autorin auf jeden Fall ein Interview mit Mira Valentin, Greg Walters und Sam Feuerbach auf der Messe in Leipzig 2025. Mira hat darüber gesprochen, wie sie an das Selfpublishing herangeht und was sie für ihre Bücher an Zeit und Budget einplant. Das war der Moment, in dem ich mich entschieden habe, dass Selfpublishing auch mein Weg wird.
Als Leserin hatte ich meinen Aha!-Moment in der Hugendubel Fantasy Abteilung auf der Messe in Leipzig. Als ich die Tasche mit den vielen Büchern nach dem Bezahlen anheben und tragen musste. Da hab ich mir geschworen, dass ich nie wieder so viele Bücher, so weit weg von zu Hause kaufen werde.
Jana: Und, hast du es eingehalten?
Tia: Tatsächlich ja (lacht). Ich fotografiere jetzt die Buch-Cover von allem, was mir gefällt und kaufe sie in meiner lokalen Buchhandlung. Das schont meinen Rücken und unterstützt die Buchhandlung.
Was ist mit dir? Welchen Rat würdest du deinem früheren Messebesucher-Ich geben?
Jana: Oh, das ist einfach. Vor drei Jahren in Leipzig war ich sehr nah an einer Panik-Attacke. Die vielen Menschen und der Lärmpegel waren ein absoluter Overkill. Vergangenheits-Jana würde ich auf jeden Fall raten zu gehen, wenn es zu viel wird. Es hat keinen Sinn, sich da durch zu peitschen.
Tia: Wow. Ja, das ist auf jeden Fall ein guter Tipp. Also mehr auf den Körper und die eigenen Bedürfnisse hören.
Jana: Genau. Und sich selbst auch den Druck rausnehmen, die eigenen Erwartungen senken.
Gespräche wie dieses erinnern uns immer wieder daran, wie viel wir über die Jahre gelernt haben. Manchmal hilft es, sich genau diese Erfahrungen noch einmal bewusst zu machen und zu sehen, was sich inzwischen alles verändert hat.
Fazit
Messetage ähneln einem Marathon – sie sind lang, man braucht Durchhaltevermögen und eine gute Vorbereitung, um sie durchzustehen. Deshalb ist es wichtig, dass du ehrlich zu dir bist und auf dich und deinen Körper hörst. Und nicht zu viel von dir selbst erwartest.
Nimm dir ausreichend Zeit für die Vorbereitung deines Besuchs. Weniger, dafür schöne Vorträge, Diskussionsrunden und Treffen mit lieben Buchmenschen bleiben lange im Gedächtnis.
Was sind deine Tipps und Tricks, um lange Tage bei Veranstaltungen durchzuhalten? Schreib es gern in die Kommentare.

Tia Urban schreibt Urban-Romantasy mit weiblichen Heldinnen, die zwischen Freundschaft, Liebe und Identität ihren Platz suchen. Ihre Geschichten richten sich an queere New-Adult- und All-Age-Leserinnen, für die Zugehörigkeit kein Selbstverständnis ist.

Jana arbeitet als Lektorin und schreibt Urban Fantasy mit Slow-Burn-Romance. In ihren Geschichten sind weder die Welt noch ihre Figuren eindeutig schwarz oder weiß. Im Lektorat interessiert sie sich besonders dafür, wie sich Storyline und Figuren entwickeln und ob eine Geschichte in sich stimmig bleibt.
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