Meine Geschichten entstehen in den Momenten zwischen meinem Job, dem Alltagswahnsinn, den Freuden und Verpflichtungen als Hundemutti, Partnerin, Tochter, Schwester, Freundin, Hobbygärtnerin, Kreativ-Fee, Spazierfanatikerin, Sportlerin, Leserin… und Autorin.
Im Grunde ist es ein „Schreiben zwischen den Welten“ (schönes Wortspiel für eine Fantasy-Autorin).
In diesem Artikel erfährst du, warum Fantastik lesen und schreiben trotzdem kein Eskapismus aus dem Alltag für mich ist, wie ich Schreiben neben dem Beruf meistere und warum mir meine eigenen Erwartungen meinen Schreiballtag schwerer als nötig machen.
Nebenberuflich Autorin sein – wie geht das?
Vor einiger Zeit saß ich mit einer Freundin zusammen. Sie hatte wahnsinnig viele Fragen über mein Autorinnenleben. Vor allem, weil ich mich gefühlt schon immer mit dem Schreiben befasst, aber bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts veröffentlich hatte.
Sie fragte mich, wie ich im stressigen Alltag das Schreiben neben dem Beruf noch unterbringe. Zugegeben, der Gedanke, den Computer anzuschalten wenn man Abends erschöpft ist, ist nicht immer einladend.
Eine neue Romanidee ausarbeiten, am Weltenbau schrauben oder einem kniffligen Dialog zwischen den Hauptfiguren zu schreiben erfordert noch einmal eine gehörige Portion Konzentration, wenn die Luft am Abend eigentlich schon raus ist. Vor allem, wenn im Hintergrund die Couch leise meinen Namen ruft.
Schreiben im Alltag funktioniert für mich deshalb nur mit Routinen und einer guten Planung. Ich weiß, ich weiß – das klingt erst einmal ziemlich langweilig und hat so nichts mit dem romantischen Bild zu tun, das viele vom Autorinnenalltag haben.
Schreiben zwischen Alltag und innerem Anspruch
Durch die Planung meiner Schreibzeit entsteht ehrlicherweise auch ein wenig Schreibdruck. Die Zeit, die ich mir für mein Buch freigeschaufelt habe, will ich sinnvoll nutzen und voll auskosten.
Klar gerät man auch unter Druck, wenn Familie und Freunde fragen:
„Wann erscheint denn nun dein Buch? Du hast mir ja schon letztes Jahr davon erzählt.“
Und irgendwie wollte man ja auch schon den nächsten Instagram Post vorbereiten, damit man bei Social Media nicht an Sichtbarkeit verliert… . *SEUFZ*
Aber die größten Erwartungen, die sind erst einmal nur in meinem Autorinnen-Kopf.
Ich wünsche mir, dass die Figuren dich als Leser fesseln. Die Welt, die ich erschaffe, soll dich verzaubern und mit auf eine Reise nehmen. Und die Handlung soll spannend und mitreißend sein.
Natürlich soll dabei auch die Planung ganz locker von der Hand gehen und am besten schreibe und überarbeite ich das Buch in weniger als einem Jahr.
Ist doch ein Klacks. Oder was meinst du? Was passiert, wenn man das alles nicht unter einen Hut kriegt?
Manche Autorinnen schmeißen alles hin.
Erwartungen von außen – und warum sie das Schreiben leiser machen
Ehrlich, ich kann verstehen, wenn es manchen Schreibenden zu viel wird. Auch wenn es traurig ist, dass sie ihren Traum aufgeben, weil die Zeit nicht mehr ausreicht oder der Druck zu groß wird.
Dummerweise leiden wir Schriftstellerinnen in den meisten Fällen nicht nur unter EINER tollen Buchidee, die aus uns raus will, sondern unter Dutzenden. Und alle kämpfen gleichermaßen in unseren Köpfen um Aufmerksamkeit.
Ich muss gestehen, es gab für mich auch schon einmal den Punkt, an dem sich das Schreiben fremd anfühlte. In dem Moment war ich bereit, alles hinzuschmeißen und zu sagen: Ich mach lieber einen Töpferkurs oder lerne Häkeln.
Die Überforderung kam in dem Moment aber daher, dass ich mich viel zu früh damit befasst habe, was alles auf mich zukommt, wenn das Buch fertig ist: Social Media, Marketing, die Entscheidung ob Verlag oder Selfpublishing. Puh!
Meine Gedanken kreisten viel zu viel darum, obwohl mein Buch noch nicht einmal zur Hälfte fertig war. Ich habe mich auch viel zu sehr mit mit anderen Autorinnen verglichen. In meinen Augen haben sie in der gleichen Zeit einfach viel mehr geschafft, als ich.
Das war der Punkt, an dem ich mich entschieden habe, mit 40 Jahren einen Schreibkurs zu machen und das Schreibhandwerk einmal richtig zu lernen. Spoiler-Alarm: Es hat funktioniert! (Ich habe übrigens die Ausbildung zum Romanautor bei der Romanschule gemacht.)
Meine Freundin druckste später in unserem Gespräch herum, als es um mein absolutes Lieblings-Genre „Fantasy“ ging. Sie weiß, dass meine Bücherregale zu über 70% mit Fantasy-Romanen – egal ob High, Low, Urban oder Romantasy – gefüllt sind. Daher war ihre Frage auch ein wenig vorsichtig.
„Fantasy lesen und schreiben, das ist schon irgendwie auch eine Flucht aus dem Alltag, oder?“
Das hat mich stutzen lassen. Ich dachte, diese Ansicht sei ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der Fantasy – und alle seine Sub Genres – in der Literatur-Szene noch ein wenig verpönt waren. Über meine Antwort musste ich nicht lange nachdenken.
Ja.
Und Nein.
In fremde Welten abtauchen oder bisher unentdeckte Parallelwelten erforschen hat mich schon immer gefesselt. Gib mir ein Fantasy-Buch und ich kann für Stunden und Tage abtauchen. Das bedeutet aber nicht immer eine Flucht. Lesen – egal in welchem Genre – macht man ja auch aus purem Spaß an der Freude.
Fantasy schreiben oder lesen sind überraschend realitätsnah. Viel näher, als viele Lesende glauben. Zwischenwelten, in die man durch Portale reist oder Parallelwelten, wie sie in der Urban Fantasy vorkommen, halten uns oft einen Spiegel vor.
Es ist nicht immer harte Realität vs. zauberhafte Fantasie. Aber die Fantastik bietet uns Autorinnen die Möglichkeit, politische und gesellschaftliche Themen, die uns am Herzen liegen und beschäftigen mit der Träumerei einer besseren Welt zu kombinieren. Für mich hat die Fantastik in der Literatur daher eine große Bedeutung.
Zwischen den Welten als Lebensrealität
Der Titel meines Newsletters „Zwischen den Welten“ ist deshalb auch mehr für mich als nur ein Genrebegriff oder eine Anspielung auf die Fantasie. Es ist ein Teil meiner Lebensrealität. Das, was ich als queere Person ständig erlebe – ich bewege mich ständig zwischen den Welten.
Für mich ist es außerdem eine Möglichkeit, die Themen Zugehörigkeit, Identität, Selbstbestimmung und „The new normal“ – die mich beschäftigen und mir wichtig sind – zu verbinden.

Figuren, die zwischen den Welten stehen – und warum sie mich berühren
Ich Iiebe starke weibliche Romanfiguren. Aber nicht solche, die wissen, dass sie stark sind. Sondern jene, die es nicht wissen. Die ihre Stärke und was ihnen wirklich wichtig ist erst entdecken müssen.
Das sind Figuren, die zwischen Anpassung und Eigenständigkeit stehen. Deren innere und äußere Welt kollidieren. Protagonistinnen, deren innere Konflikte sie von ihrem Glück, dem sie so sehr entgegenstreben, abhalten. Die sich gegen fremde Erwartungen behaupten müssen und am Ende ihre Zugehörigkeit trotz aller Widerstände finden.
Schreiben als Haltung – nicht als reines Produkt

Für mich war schon immer klar, das ich Fantastik schreiben wollte. Natürlich hab ich – wie wahrscheinlich jede Fantasy schreibende Autorin – davon geträumt ein episches High Fantasy Werk wie „Herr der Ringe“ zu schreiben und eine Welt zu erschaffen, die viele Jahrzehnte lang Millionen Menschen auf der ganzen Welt in ihren Bann zieht.
Was soll ich sagen? Ich habe mich auch tatsächlich an High Fantasy versucht
Mein absolutes Herzensprojekt (das mich seit der Schulzeit begleitet) ist mittlerweile zu einer Welt mit mehreren Kontinenten, einer sehr detaillierten Weltkarte, unerforschter Völker, alter Drachen, magischen Tierwesen, einer epischen Schlacht und einer alles verschlingenden finsteren Über-Macht gewachsen.
Die Figuren haben beeindruckende Stammbäume und es gibt neben der Haupthandlung unzählige Nebengeschichten. Nicht nicht zu vergessen die Trinklieder der Zwerge, die ich geschrieben haben (mit einer wirklich eingängigen Meldodie… und etwas anzüglich dabei).
Mein allererstes Buch, das ich geschrieben habe, war eine Spinoff Geschichte, die sich aus dieser Welt entwickelt hat. (Warum ich es nie veröffentlicht habe, erzähle ich dir ein anderes Mal.)
In meiner Entwicklung als Autorin habe ich gemerkt, dass diese riesige High-Fantasy-Welt aber meine ganz eigene ist, die ich (vorerst) nicht bereit bin zu teilen. Sie hat mich durch viele Jahre und einige Auf und Abs begleitet.
Nachdem ich das verstanden hatte, war ich bereit den anderen Buchideen, mehr Raum zu geben. So ist auch die Rheinrabe Dilogie entstanden, deren erster (und zweiter) Teil in 2026 erscheinen wird.
Als Autorin muss man sich über eines sein: Am Ende eines Buchprojektes erblickt eine wundervolle Geschichte das Licht der Welt. Aber sie ist immer auch ein „Produkt“. Denn ein Buch finanziert sich nicht ganz von allein.
Und klar wünscht man sich als Autorin, dass man das Buch auch verkaufen kann. Für mich ist wichtig, das dieses Produkt aus mir –meiner Überzeugung heraus – entstanden und passend zu den Themen ist, die mich beschäftigen.
Für wen mein Schreiben ist – und für wen nicht
Du bist hier richtig, wenn …
- du Slow Burn zwischen den Figuren lieber fühlst als überspringst
- Found Family
- Forced Proximity dein Herz schneller schlagen lässtmehr bei dir auslöst als perfekte Blutsbande
- du queere Urban-Romantasy magst, die nicht glattgebügelt ist
- Heldinnen mit Ecken und innerem Widerstand dein Ding sind

Du hast bei den meisten Punkten genickt? Super, dann lade ich dich auf eine gemeinsame Reise mit mir ein.
Da gibt es aber noch eine Sache, über die wir sprechen sollten:
Meine Geschichten sind queere Urban-Romantasy – dabei geht es nicht nur um fremde Welten oder ausgeklügelte Magie-Systeme. Es geht dabei auch um Liebe, Nähe und Zärtlichkeit. Sex steht dabei nicht im Vordergrund.
Wenn du spicy Content suchst, schau dich gern bei meinen Autorinnenkolleginnen um. Es gib so viele wirklich tolle Bücher da draußen.
Fazit
Wie alles im Leben hat auch Schreiben zwei Seiten.
Die eine, die Fun ist. Schreiben bedeutet für mich, kreativ zu sein, mich auszudrücken, meine Leidenschaft mit anderen teilen zu können und zu unterhalten. Neues zu entdecken, Altes wertzuschätzen.
Und dann ist da die Seite, die weniger shiny ist. Planung, eine strukturierte Arbeitsweise, Termindruck, Weiterbildung und Marketing. Was nicht heißt, dass diese Sachen keinen Spaß machen.
Aber wie ein Niffler bei Harry Potter von glitzernden Dingen angezogen wird, werde auch ich als Fantasy Autorin magisch von der bunten Welt der Fantasy angezogen.
Wo bewegst du dich in deinem Alltag zwischen den Welten? Schreib es mir gern in die Kommentare.

Tia Urban schreibt Urban-Romantasy mit weiblichen Heldinnen, die zwischen Freundschaft, Liebe und Identität ihren Platz suchen. Ihre Geschichten richten sich an queere New-Adult- und All-Age-Leserinnen, für die Zugehörigkeit kein Selbstverständnis ist.